Schön, dich wiederzusehen! – Neue Erkenntnisse zur Fähigkeit Gesichter zu erkennen

Jeden Tag begegnen uns viele Gesichter. Familie, Freunde, Kollegen – die Reihe der Menschen, die wir im Alltag zu Gesicht bekommen, ist vielfältig und umfangreich. Die Frag ist: Wann entwickelt sich eigentlich die Fähigkeit Gesichter wiederzuerkennen? Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Forschungszentrums Jülich, der RWTH Aachen University und internationale Teams aus Jerusalem und Stanford haben genau diese Fähigkeit – die Wiedererkennung von Gesichtern – bei Kindern und jungen Erwachsenen untersucht. Die Ergebnisse sind überraschend und liefern ganz neue Aspekte zur Entwicklung des menschlichen Gehirns.

Gesichter merken, erst als Erwachsener möglich?
Das menschliche Gehirn ist ein komplexes Netzwerk von Synapsen, Neuronen, Axonen und weiteren Komponenten. Während es klar belegt ist, dass die Entwicklung des Gehirns von Neugeborenen noch lange nicht abgeschlossen ist, müssen Wissenschaftler ihre Überzeugung, dass das Gehirn mit Ende der Jugendzeit fertig entwickelt ist, neu überdenken. Denn die Ergebnisse der Forscherinnen und Forscher aus Jülich, Aachen, Jerusalem und Stanford brachten neue Erkenntnisse zu diesem Thema.

Kinder und junge Erwachsene wurden im Rahmen einer Studie über mehrere Monate vor die Aufgabe gestellt, Gesichter, Orte und Objekte wiederzuerkennen. Während der Tests befanden sich die Probanden in einem Magnetresonanztomografen, um Aufnahmen des arbeitenden Gehirns zu erhalten. Der Fokus der Untersuchungen lag dabei auf einem Hirnareal, das zum Beispiel für die Wort- und Gesichtserkennung zu ständig ist.

Das Forscher-Team, rund um die JARA-BRAIN Mitglieder Prof. Katrin Amunts und JARA-Seniorprofessor Karl Zilles, identifizierte zwei nah zu einander gelegene Hirnareale, von denen das eine am Erkennen von Orten und das andere an der Gesichtserkennung beteiligt sind. Überraschenderweise wiesen die Hirnscans der erwachsenen Probanden zusätzliches Gewebe in der Hirnregion, die für das Wiedererkennen von Gesichtern wichtig ist, auf. Dendriten – sogenannte Zellfortsätze, die an der Reizaufnahme beteiligt sind – könnten nach Annahme der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Grund für das zusätzliche Gewebe sein. Darüber hinaus ließen die Ergebnisse die Vermutung zu, dass sich die Fähigkeit der Gesichtserkennung sogar noch im Erwachsenenalter verbessert.

In einem weiteren Test untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, ob sich auch die Fähigkeit Gesichter zu erkennen, erst im Erwachsenenalter voll entwickelt. Bei dieser Untersuchung mussten die Probanden Gesichter oder Orte wiedererkennen. Es stellte sich heraus, dass Erwachsene tatsächlich Gesichter besser wiedererkennen können als Kinder.

Die kürzlich in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlichten Ergebnisse lassen sich möglicherweise auch auf andere Hirnregionen übertragen, so zum Beispiel auf das Sprachzentrum. Hierzu sind jedoch weitere Untersuchungen nötig.


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