Kalorienzählen, ständiges Wiegen und im schlimmsten Fall die völlige Verweigerung der Nahrungsaufnahme, diese und weitere Symptome begleiten Patientinnen und Patienten, die an einer Magersucht leiden. Meist handelt es sich dabei um junge Mädchen und Jungen, die durch verschiedenste Auslöser ein gestörtes Verhältnis zu ihrem Körper und ihrer Ernährung entwickelt haben. Erst einmal in dieser Krankheit gefangen, ist es für die Betroffenen nahezu unmöglich alleine wieder gesund zu werden. Aus Klinikaufenthalten und stationärer Behandlung über Wochen und Monate bestand bisher die Therapie für Magersuchtpatienten. Die Rückfallquoten und vor allem die psychische Belastung für die Betroffenen sind bei einer stationären Behandlung jedoch sehr hoch. Eine alternative Therapieform wird nun an der Uniklinik RWTH Aachen in einem Modellprojekt erprobt.

Unter dem Namen „Home Treatment“ verbirgt sich ein durch Krankenkassen und die Stiftung Universitätsmedizin Aachen gefördertes Projekt, in dessen Rahmen Magersuchtpatientinnen und -Patienten in ihrer gewohnten Umgebung therapiert werden. Regelmäßig besuchen speziell ausgebildete Betreuer die Betroffenen zu Hause, um die in der Regel vorangegangene stationäre Behandlung fortzusetzen. Auf diese Weise wird der erreichte Erfolg nach der ersten Therapie fortgesetzt und die Kinder und Jugendlichen lernen die neue, gesündere Lebensweise auf ihren Alltag zu übertragen. Darüber hinaus verlieren die Kinder und Jugendlichen nicht den Kontakt zu ihren Bezugspersonen und diese können mit in den Genesungsprozess einbezogen werden. Die Betroffenen lernen langfristig ein gesundes Verhältnis zum eigenen Körper und zur Ernährung aufzubauen. Zudem haben sowohl die Patientinnen und Patienten als auch die Angehörigen einen direkten Ansprechpartner bei Fragen oder Problemen.

Maßgeblich beteiligt an dem neuen Therapiekonzept ist Prof. Beate Herpertz-Dahlmann, Mitglied von JARA-BRAIN und Direktorin der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters. Die Wissenschaftlerin betreute eine umfangreiche Vergleichsstudie, in der die Anwendung einer tagesklinischen Behandlung bei 180 Magersuchtpatientinnen untersucht wurde. Die Studie zeigte, dass die Patientinnen ebenso viel Gewicht zunahmen, wie die Vergleichsgruppe in der stationären Betreuung, allerdings litten die tageklinisch Behandelten weniger unter psychischen Problemen. Darüber hinaus ergaben sich auch volkswirtschaftliche Vorteile, da die tagesklinische Behandlung um 20 Prozent weniger Kosten verursacht. Die überaus positiven Ergebnisse wurden 2014 im Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlicht und dienen als Grundlage für das Konzept zum „Home Treatment“ Projekt.

Die Verbesserung der Therapieangebote für an Magersucht leidende Patientinnen und Patienten ist enorm wichtig. So gehören Essstörungen bei jungen Mädchen zur dritthäufigsten psychischen Erkrankung. Jedoch leiden auch immer mehr Jungen mittlerweile an einer Magersucht. Darüber hinaus sterben 15 Prozent der Erkrankten an den Folgen der Krankheit beziehungsweise durch sie verursachte Komplikationen oder begehen Selbstmord. Damit ist die Magersucht die psychische Krankheit mit der höchsten Mortalitätsrate. Die hohe Rückfallquote der stationären Therapie macht seit Längerem eine Neuausrichtung der Behandlung nötig. Das Projekt „Home Treatment“ soll dazu dienen, die Verbreitung dieser zukunftsweisenden und vor allem patientenorientierten Behandlungsform voranzutreiben.

Weitere Informationen zur Eröffnungsveranstaltung stehen auf der Website der Uniklinik RWTH Aachen zur Verfügung.

Gründung der JARA-Institute


Am 1. April stand das SuperC der RWTH Aachen ganz im Zeichen der Jülich Aachen Research Alliance (JARA). Vor rund 90 Zuhörern wurden die neuen JARA-Institute präsentiert, in denen Aachener und Jülicher Wissenschaftler zu drängenden Fragen unserer Zeit forschen werden.

EU- und ERC-Förderung
Da die Fördermöglichkeiten unterschiedlicher Projektideen sehr vielfältig sind, ist es besonders wichtig, aus dem großen Angebot die passende Förderung für die eigene Forschungsidee zu finden. Einer möglichst persönlichen Beratung der Wissenschaftler kommt damit eine besondere Bedeutung zu. Als EU-Forschungsreferentin unterstützt Andrea Stockero Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei der Beantragung von Projekten im Rahmen von Horizon 2020.
JARA-Newsletter
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