
Mit einem Polysomnogramm lassen sich die Schlafstadien eines Patienten darstellen. Sie liefern wertvolle Hinnweise für die Diagnose der Schlafstörungen (Abb. The Lancet Neurology Vol.5/06).
Patientinnen und Patienten mit einer Traum (REM)-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD) haben ein erhöhtes Risiko, im weiteren Krankheitsverlauf eine neurodegenerative Erkrankung wie etwa ein Parkinson-Syndrom oder eine Demenz zu entwickeln. In einer aktuellen Studie untersucht die JARA-BRAIN Juniorprofessorin Dr. Kathrin Reetz daher neuropathologische Veränderungen der RBD-Erkrankung. Ihr Ziel: Präsymptomatische Biomarker für neurodegenerative Erkrankungen zu finden.
Neuropathologische Veränderungen im Gehirn vor Ausbruch der Erkrankung
Zahlreiche Studien deuten darauf hin, dass es bereits viele Jahre vor Beginn neurodegenerativer Erkrankungen zu neuropathologischen Veränderungen im Gehirn kommt. Auf diesen Erkenntnissen baut die Forschungsstudie unter der Leitung von Prof. Jörg B. Schulz, Direktor der Neurologischen Klinik am Universitätsklinikum Aachen, auf.
„In enger Zusammenarbeit mit unserem Schlaflabor möchten wir mit Hilfe klinischer, elektrophysiologischer und histopathologischer Untersuchungen sowie der Magnetresonanztomographie (MRT) die Eigenschaften der Traum (REM)-Schlaf-Verhaltensstörung genauer charakterisieren“, erklärt Kathrin Reetz. Die Wissenschaftlerin arbeitet sowohl an der Neurologischen Klinik am Universitätsklinikum in Aachen als auch im Forschungszentrum Jülich.
„Da die Traum (REM)-Schlaf-Verhaltensstörung ein Vorläuferstadium neurodegenerativer Erkrankungen wie zum Beispiel beim Parkinson-Syndrom oder der Lewy-Körperchen-Demenz sein kann, erhalten wir auf diesem Weg ein einzigartiges Wissen über die ersten Veränderungen dieser neurodegenerativen Erkrankungen.“
Bei der Traum-Schlaf-Verhaltensstörung entspannen die Muskeln während des Schlafs nicht
Die Traum (REM)-Schlaf-Verhaltensstörung ist eine seltene, klinisch eindrucksvolle Störung der Schlafstruktur. Dabei kommt es zu keiner Muskelentspannung während des Schlafs. Die Folge sind heftige Bewegungen und/oder Laute, die häufig mit den aktionsgeladenen Trauminhalten zusammenhängen. Die Erkrankung tritt vorwiegend ab dem 55. Lebensjahr auf, wobei Männer überdurchschnittlich stark betroffen sind. Die umfassende Forschungsstudie von Kathrin Reetz soll nun dazu beitragen, in einem polymodalen Ansatz das Krankheitsspektrum zu charakterisieren sowie bildgebende und histopathologische Marker zu identifizieren.
Zu den diagnostischen Verfahren gehören - neben einer ausführlichen Erfassung der Krankheitsgeschichte - eine klinisch-neurologische Untersuchung, neuropsychologische Tests, strukturelle und funktionelle MRT-Untersuchungen, mehrere neurovegetative Tests und eine Hautbiopsie. Letztere werden in Kooperation mit Prof. Dr. Joachim Weis, dem Leiter des Instituts für Neuropathologie am Aachener Universitätsklinikum, durchgeführt. Bei der Hautbiopsie wird unter anderem nach Veränderungen der Nervenfasern und bestimmten Proteinen gesucht.
Das langfristige Projekt soll erstmals den Krankheitsverlauf über mehrere Jahre hinweg dokumentieren
Das Forschungsprojekt zur Traum (REM)-Schlaf-Verhaltensstörung ist auf mehrere Jahre angelegt. „Um zu verstehen, wer ein erhöhtes Risiko hat, im weiteren Verlauf eine neurodegenerative Erkrankung zu entwickeln, brauchen wir einen langfristigen Ansatz. Daher möchten wir einen Teil Untersuchungen in den nächsten drei bis vier Jahren einmal jährlich wiederholen, um so den Verlauf der Erkrankung zu analysieren “, erklärt Kathrin Reetz.